• Ebenbild / Similitude 3x10 - 2 / 10

    Plot:
    Als Trip eine neue Methode zur Verbesserung des Warpantriebes probiert, gibt es einen Unfall und er wird schwer verletzt. Doktor Phlox kann ihn stabilisieren, aber nicht vollständig heilen. Er schlägt Archer vor einen Klon zu züchten, der Trip mit den notwendigen Hirnteilen versorgen kann, gleichzeitig aber selbst überlebt, wenn auch nur für ein paar Tage, da der Klon nur 2 Wochen zu leben hat.

    Archer befürwortet es, und der Klon wird geboren und wächst rapide. Sim, so heißt der Klon nun, erinnert sich aber bald an Dinge aus Trips Leben und je älter er wird umso mehr Dinge sind es, an die er sich erinnert. Er stellt fest dass er nur einige Tage zu leben hat, und je näher er der Operation kommt, umso weniger will er daran teilnehmen, vor allem dann nicht als er erfährt das der Eingriff für ihn tödlich ist. Sim will zuerst fliehen, bricht aber seinen Fluchtversuch ab, und lässt sich operieren. Der richtige Trip wird durch die Operation geheilt, während Sim stirbt und in einer Begräbniszeremonie verabschiedet wird.

    Review:

    Ich habe überlegt wie ich das Review beginnen soll; ich habe Sätze geschrieben und gelöscht. Kein Anfang wollte mir gelingen, um diese Episode zu umschreiben. Von 'unethisch' bis zu 'unglaublich' reichten meine Emotionen. Ich war immer der Ansicht, dass die Helden von Serien auch Fehler machen sollten, schließlich waren sie ja Menschen. Aber wie das Gespann Archer/Phlox hier porträtiert werden, ist außerhalb jedes Messbaren.

    Schon ENT: Dear Doctor / Lieber Doktor wusste seltsame Entscheidungen bei Ethischen Fragen zu zeigen, Similtude ist hier sehr ähnlich. (Vorsicht Wortspiel: Similtude heißt übersetzt Ähnlichkeit)
    Klonen ist momentan in aller Munde, daher erwartete ich eine Allegorie darauf und wurde eigentlich nicht enttäuscht: Schlussendlich zeigt uns Archer das es in Ordnung ist zu klonen, um dann Körperteile für das Original zu spenden, auch dann wenn der Klon ein eigenes Gewissen hat. Das ist es, nicht mehr, nicht weniger.

    Die Folge hat vor allem den Fehler sich gar nicht bewusst zu werden, das hier ethische Grenzen ohne Wenn und Aber überschritten werden. Die Gespräche zwischen Archer und Sim sind hier ein klares Beispiel: Als Sim in das Alter kommt, bei dem von ihm geerntet werden kann, weißt er darauf hin das ein experimentales Enzym ihm am Leben erhalten könnte. Archer meint jedoch dass die Operation jetzt durchgeführt werden müsse. Keine Kosten sind zu hoch um Trip zu retten, und das hat Archer auch bewiesen - schlussendlich hat er ja wissentlich einen intelligenten, sich seiner selbst bewussten Klon geschaffen um ihn dann als unfreiwilligen Tranplantatspender zu verwenden. Er kommt nicht auf die Idee, dass der Klon ein Recht auf Leben haben könnte?! Es grenzt fast schon an Häme, das Archer ihm am Schluss doch noch ein Begräbnis gönnt und erzählt wie wichtig sein Opfer für die 'Mission' ist.

    Nebenher frage ich mich eines: Was wäre passiert wenn der Klon statt seiner 15 Tage nun tatsächlich mehrere Jahre gelebt hätte? Wäre dann die Entscheidung so gefallen, wie sie fiel?

    Die Folge hat sehr viel Ähnlichkeit mit VOY: Tuvix. Doch ein Unterschied ist extrem, während Tuvok und Neelix durch einen Unfall, bei der sie keine Schuld trifft, verschmolzen wurden und dadurch Tuvix geboren wurde, ist hier in Similtude wissentlich und absichtlich ein menschliches Wesen zum Zweck des Organspendens geschaffen worden.

    Die brennende Frage ist nun: Ab wann ist es denn vertretbar solch eine Prozedur zu vollziehen? Es ist ohne Frage wiederholbar; also warum nicht? Etwas das dieser Episode deutlich fehlt, ist jemand der Archer und Phlox darauf aufmerksam macht, das es vielleicht Grenzen gibt die man jetzt und auch in Zukunft nicht überschreitet; das eben die Mittel manchmal nicht den Zweck rechtfertigen. Jetzt mag vielleicht diese Mission der Grund für diese 'Behandlung' sein, später sinkt vielleicht die Toleranzgrenze dafür und irgendwann könnte es normal werden. Archer selbst meint, das er vielleicht unter anderen Umständen anders handeln würde. Er rechtfertigt diese Prozedur damit dass er Trip braucht. Trotz seiner Ehrlichkeit ergibt sich damit ein weiteres Dilemma: Wer ist würdig so eine Behandlung zu erfahren?

    Es war in Ordnung für ihn eine ganze Rasse in Dear Doctor / Lieber Doktor sterben zu lassen, weil er nicht Gott spielen wollte - erstaunlich, offenbar waren sie nicht für eine Mission wichtig. Aber hier in Similtude ignoriert er sämtliche Moralbarrieren mit einem Klacks.

    Als wäre das alleine nicht schlimm genug, ist hier noch ein anderer Faktor den ich der Episode schlecht anrechne: Man macht sich kaum darüber Gedanken, was hier eigentlich passiert ist. Außer T'pol (und das auch mehr schlecht als Recht) kommt niemand auf die Idee es als moralisch verwerflich zu betrachten, das hier mit Menschenleben gespielt wird.

    In dem hervorragenden Cogenitor wurden die zwei Seiten der Medaille beleuchtet; Trip auf der einen Seite der das Leben der Sklavenrasse verbessern wollte und Archer auf der anderen, der dafür war sich nicht einzumischen. Während es dort eine Diskussion über die Richtigkeit von Trips Entscheidung gab, fehlt das in dieser Episode vollkommen.

    Ich habe gelesen, dass solche Entscheidungen die Archer trifft nur allzu menschlich und damit realistischer und nachvollziehbar für den Zuschauer sind. Dem kann ich mich aus zwei Gründen nicht anschließen:

    Ersten soll Star Trek zeigen, dass es eine bessere Zukunft geben könnte, in der wir nicht nur technologisch sondern auch moralisch gereift sind. Für Enterprise mag es vielleicht nicht so gelten, da die Serie ja die Zeit vor der Föderation beleuchtet und Menschen ihre anfänglichen Fehler im Weltraum machen, aber dann und das ist mein zweiter Punkt, muss man auch die Menschen aus ihren Fehlern lernen, und vor allem die Konsequenzen für ihr Handeln tragen lassen. Natürlich wird es nicht geschehen. Archer wird sich nicht vor dem Gericht verantworten, dass das Klonen mit diesen Tieren verboten hat. Er wird sich nicht vor der Sternenflotte verantworten müssen - und es sieht nicht so aus, als würde er die nächsten Nächte, nach der Entscheidung, schlaflos verbringen.

    Einzig und allein Connor Trineers Schauspiel ist ein wirklicher Glanzpunkt in dieser Episode. Er hauchte seinem Klon eine glaubwürdige Seele ein und war bei jeder Szene überzeugend.

    Das größte schauspielerische Manko in dieser Episode hat aber nicht Bakula sondern Jolene Blalock. Ich bin aber der Meinung, dass es vor allem an dem Drehbuch liegt, das einfach keinen Sinn machte.

    T'pol ist auch in letzter Zeit blass und wirkt nicht wie ein Berater, sondern vielmehr wie ein ausführendes Organ Archers. Sie widerspricht ihm zwar kurz als es um den Klonprozess geht, aber mehr auch nicht. Die Folge gewinnt noch an Absurdität als sie, für eine Vulkanierin nicht besonders passend und auch sonst nicht besonders glaubwürdig, auch noch Gefühle für Sim entwickelt.

    SFX und Soundtrack:
    Man hat diesmal generell die Musik nicht so hervortreten lassen, das empfand ich aber durchaus passend für eine so schwermütige Folge.

    Auch diesmal waren die Effekte nicht tragend, sondern begleitend. Man bemerke vor allem die sich ablösenden Fragmente am Fenster, während Sim mit Archer spricht. Solche Echtzeitdetails lassen Übergänge fließend, und nicht abgehackt, erscheinen.

    Wertung:
    Erinnern sie sich an Picard, als er Hugh mit dem Virus zu den Borg zurückschicken sollte? (TNG: I, Borg / Ich bin Hugh) Wie er vor die Wahl gestellt wurde, das Recht eines einzelnen auf Leben gegen die Massenvernichtung der Borg abzuwägen? Picard rang mit der Entscheidung und kam zum Schluss das er nicht das Recht hatte, einem Individuum das einen freien Willen besaß, und noch dazu für die Situation um die Borg nicht verantwortlich war, das Leben zu nehmen - hingegen macht es sich Archer sehr leicht. Er macht klar dass er das Recht auf Leben biegen kann und das Sim, obwohl offensichtlich intelligent, sich seiner selbst bewusst, und ebenfalls nicht für die Situation verantwortlich, für ihn nur das Recht hatte als Transplantatbank herzuhalten. Eine wahrhaftig grausige, unethische und unmoralische Sicht. Natürlich kann man damit argumentieren, das Star Trek immer schon kontroversielle Themen behandelt hat, aber hier hat eben das gefehlt, die Behandlung des Themas.Die einzigen Punkte der Episode gehen an die Schauspielerleistung von Trineer.
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