• Star Trek und die Öffentlichkeit

    Wenn man an Science-Fiction denkt so fallen einem viele Namen ein, doch einer davon wird sofort ins Gedächtnis springen: Star Trek.
    Alleine der Name ist Stoff genug für Diskussionen. Kaum einer kennt nicht Kirk, Picard und Co. - Klingonen, Warpgeschwindikgeit, Beamen und natürlich die Enterprise sind nicht mehr aus unserer Kultur wegzudenken.
    Es hat heute schon an Eigendynamik gewonnen, die nicht mehr zu halten ist: Klingonisch als eigene Sprache, Conventions (große Fantreffen) die jedes Jahr abgehalten und zu tausenden gestürmt werden, oder sogar eine kanadische Stadt, die sich selbst Vulcan (nach der Heimatwelt der Vulkanier) nennt und vieles mehr.

    Doch Star Trek steht wegen dieser Dynamik in der öffentlichkeit nicht unbedingt in einem besonders guten Licht: "Freaks" sagen die einen, "Fanatiker, die ein Leben brauchen" sagen die anderen, das führt manchmal zu unschönen Meinungen, Heruntermachen von Fans und vor allem Pauschalierungen.


    "Dokumentationen" wie "Trekkies" tun ihr übriges. Für alle die nicht vertraut mit dieser Persiflage einer "Dokumentation" sind: Es werden Fans portraitiert, die das zeigen was die Leute sehen wollen; Fans wie beispielsweise die Frau, die bei Gerichtsverhandlung mit einer Star Trek Uniform erscheint. Oder den mysteriösen Schreiber von Geschichten aus dem Trek Universum der nicht genannt werden möchte, weil er eine Konspiration der Produzenten vermutet. Oder der Fan der wie die Frau im ersten Beispiel ebenfalls in der Uniform einkauft, oder damit auf die Strasse geht.

    Und somit ist wieder ein Stückchen dafür getan das man die Fans allgemein als "Spinner" abkanzelt. Doch ich stelle die Frage: Was ist der Unterschied zwischen einem Trekker und einem Fußball, oder Formel-1 Fan? Warum investieren manche Menschen viele Stunden in den Modellbau von Kriegsschiffen, oder beschäftigen sich mit nichts anderem als ihrem Auto? Ich höre selten einen Aufschrei aus diesem Sektor, dabei ist es doch ein und dasselbe. Die Obsessionen sind gleichwertig, es kommt auf die Balance an wie viel Zeit wir auf etwas verschwenden.

    Ich möchte anmerken, dass ich kein Anhänger von solchem Fanatismus, egal welcher Art auch immer, bin. Wer sich zu sehr auf etwas fokkusiert, verliert irgendwann den Blick für andere Dinge, deswegen bin ich nicht von Leuten, wie den Fans aus "Trekkies", begeistert. Zu leicht sind einfach die Übertragungen auf andere Fans, wie auch mich selber.

    Ich möchte das jetzt zum Anlass nehmen und einige Beispiele anderer Fans aufführen: So gab es einen Jungen der sich gerne Star Trek ansah, und fasziniert von anderen Welten träumte. Dieser Gedanke brachte ihn dazu zu studieren und heute ist er, wie könnte es anders sein, ein Astronom!

    Es gibt viele Beispiele von Wissenschaftern die alle in der Jugend Star Trek gesehen und sich davon inspirieren ließen, sich ihren Beruf danach auszuwählen. Von Stephen Hawking ist bekannt dass er ein Star Trek Fan ist (Er hatte sogar eine Gastrolle in Star Trek: The Next Generation). Von NASA Mitarbeitern tauchen immer wieder Artikel über Star Trek und dessen Wissenschaft auf. Es gibt dutzende Beispiele.

    Doch auch "normale" Fans lassen sich von Star Trek inspirieren: So gibt es einen Klingonenklub der sich immer wieder in Montur wirft und die mutigen Krieger auf Festen und Veranstaltungen mimt. Man nimmt Schmähungen inzwischen in Kauf, und wofür? Das Geld das dabei eingenommen wird, fließt einer Organisation für krebskranke Kinder zu.

    Es gibt außerdem noch Fans die Blutspenden organisieren, Charity Veranstaltungen auf die Beine stellen, in Küchen für Arme aushelfen und und und. Natürlich kann man das alles auch ohne Star Trek machen, aber wenn sich diese Fans von Star Trek inspirieren lassen, warum nicht?

    Doch Ansichten über Star Trek Fans sind nicht das einzige Problem; Star Trek alleine hat schon einen schlechten Stand in Europa. Das führe ich auf mehrere Gründe zurück:

    • Das Medium Fernsehen wird manchmal immer noch nicht ernst genommen, es dient größtenteils der Unterhaltung oder Zerstreuung, selten wird es als Medium, das Botschaften versenden kann, gesehen. Star Trek fällt für viele in den einfachen Unterhaltungssektor, und ist damit nicht näherer Betrachtung wert. Oftmals wird Star Trek sogar einer Jugendlichen Serie (Zumindest in Deutschland und österreich) gleichgesetzt, womit natürlich wieder ein Stigma entsteht: "Eine Jugendserie? Das kann doch für einen Erwachsenen nicht ....................(Setze Wort ein: spaßig, unterhaltsam, fordernd usw.) sein?"
    • Des Weiteren ist Star Trek Science Fiction. Diese banale Feststellung alleine reicht aus um es abzuwerten. Science Fiction hat immer noch einen negativen Geschmack, man muss sich den Unterricht in Schulen einmal ansehen: Es wird zwar bedeutende Literatur durchgenommen, aber Science Fiction wird immer noch größtenteils als Trivialliteratur abgetan, dabei vergisst man auf Werke eines Jules Verne, H.G. Wells oder Orwells "1984" (das aktueller gar nicht sein könnte!). Das setzt sich immer weiter fort: die Kurve von Science Fiction Freunden sinkt mit ansteigendem Alter.
    • Star Trek ist "anders" als anderer Science Fiction, ein nicht unwesentlicher Punkt. Sehen wir uns einmal um: In "Stargate" sind die Menschen die Unterlegenen der Galaxis, die noch viel zu lernen haben. In "Matrix" haben wir es sogar mit einer postapokalyptischen Welt zu tun, genauso wie "Terminator". Babylon 5 ist da schon eher eine Ausnahme, aber auch dort ist das Leben eher hart und unbarmherzig. Was sie alle verbindet ist, das sie eher unserem heutigen Typus von Mensch entsprechen. Die Identifizierung fällt dadurch leichter.

    In Star Trek hingegen regiert die "Vereinte Föderation der Planeten", in der Hunger, Seuchen und Kriege ausgelöscht sind. Es behandelt eine Zukunft in der die Menschheit aus ihren Fehlern gelernt, und sich praktisch ein Paradies aufgebaut hat. Das stößt bei einigen auf Kritik, manche denken es sei unrealistisch (eine interessante Ansicht im Bereich des Sci-fi) das die Menschen je über sich hinauswachsen könnten.

    Star Trek enthält eine hohe Ethik und Moral; Diplomatie statt Waffengewalt; Diskussion statt Aktion, wenn es nicht anders vermeidbar ist. Star Trek hat vor allem deswegen eine höhere Moralvorstellung da es in manchen Folgen eine Botschaft vermitteln soll, beispielsweise gegen Bigotterie, Intoleranz oder falsch verstandene Loyalität. Selbst in DS9, in dem es sich in den späteren Staffeln um Krieg dreht, waren die Botschaften deutlich auf Anti-Krieg getrimmt. Natürlich macht Star Trek auch Abstriche an das breite Publikum, und baut Raumschlachten, FX Effekte und Schiessereien ein. Ich müsste auch zugeben, dass ich ebenfalls gerne Raumschlachten und gute Effekte sehe, wenn man mich danach fragen würde. (siehe in den Artikel; Was ist Star Trek?). Aber im Grossen und Ganzen entspricht es einfach dem Bild, das manche von Science Fiction haben, nicht?

    Wenn jemand Science Fiction im Allgemeinen nicht besonders schätzt, oder einfach einen anderen Geschmack besitzt, so ist das durchaus legitim. Ich ziehe Star Trek auch anderen Sci-Fi vor, sonst würde ich nicht diese Website betreuen, geschweige denn diesen Artikel schreiben. Ich halte aber nichts von Polarisierungen von Fans von verschiedenen Sci-Fi Serien, Filmen oder auch Genres.

    Aber man sollte hier und da einen Blick über den Tellerrand riskieren und sehen was das Phänomen Star Trek ausmacht (Vor allem in Deutschland wo laut Statistik 75(!) Kriminalserien "On Air" sind. Im Vergleich dazu fällt Sci-fi im Allgemeinen eher mager aus) Man sollte sich auch nicht von einigen Beispielen von Trek Fanatismus irritieren lassen und deswegen gleich eine gesamte Serie verurteilen. Wie ich es oben aufgeführt habe, so gibt es auch Fans die sich durchaus auch positiv inspirieren ließen.

    Star Trek ist inzwischen ein Teil unserer Gesellschaft, wenn das nächste Mal wieder ein Abenteuer der Enterprise über den Fernseher flimmert, machen sie sich einmal die Mühe und sehen nach, warum es Inspiration und/oder einfach nur Stunden der Unterhaltung für so viele Fans bietet.

    Riker: "Just hoping this isn't the usual way our missions will go, sir."
    Picard: "Oh no, Number One, I'm sure most will be much more interesting. Let's see what's out there. Engage."


    Euer Legion(CD)
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